Thomas Franke von der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg berichtet über Projekte, Initiativen und Perspektiven aus der politischen Bildung.
Welche interessanten Angebote gibt es in Baden-Württemberg zum Thema Informations- und Nachrichtenkompetenz?
In Baden-Württemberg steht ein breites Spektrum an Bildungsangeboten zur Verfügung, die sich mit der Vermittlung von Informations- und Nachrichtenkompetenz befassen – von schulischen Formaten bis hin zur außerschulischen politischen Bildung. Besonders hervorzuheben ist die Arbeit der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg (LpB). Sie entwickelt Materialien, bietet Workshops und Fortbildungen an und unterstützt Lehrkräfte bei der Integration des Themas in den Unterricht.
Ein zentrales Onlineangebot ist unter https://www.lpb-bw.de zu finden. Dort gibt es Dossiers zu Fake News, Desinformation, Social Media und Quellenbewertung. Die LpB-Außenstelle Ludwigsburg bietet über ihre Seite zielgerichtete Formate für weiterführende Schulen, darunter Workshops, Planspiele oder methodisch begleitete Projektformate.
Darüber hinaus leisten Akteure wie das Landesmedienzentrum BW, das Schüler-Medienmentoren-Programm (SMEP) oder kommunale Bildungsinitiativen wichtige Beiträge zur Förderung von Medien- und Informationskompetenz.
Wie sieht es mit der Medienbildung im Land aus? Gibt es spezielle Initiativen oder Projekte?
Medienbildung ist in Baden-Württemberg fester Bestandteil des Bildungsplans. Darüber hinaus werden gezielt innovative Projekte gefördert. Ein Beispiel ist das Projekt „SAFE – Souverän Agieren – Fakten Erkennen“, das von der LpB gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Partner:innen entwickelt wurde. Es bietet praxisnahe Module zur Stärkung der Informationssouveränität – z. B. durch Planspiele, Workshops und digitale Lernbausteine.
Was passiert im Rahmen von „Journalismus macht Schule“ in Baden-Württemberg?
„Journalismus macht Schule“ ist ein bundesweites Bildungsprojekt, das in Baden-Württemberg von der LpB in Kooperation mit Medienhäusern und Redaktionen aktiv unterstützt und regional umgesetzt wird. Rund um den Tag der Pressefreiheit besuchen Journalist:innen Schulklassen, berichten aus dem Alltag, diskutieren über Fake News und vermitteln journalistische Arbeitsweisen.
Auch der Südwestrundfunk (SWR) beteiligt sich aktiv an dem Projekt und besucht ganzjährig Schulklassen ab Jahrgangsstufe 9. Die Jugendlichen erhalten dabei Einblick in journalistische Prozesse und lernen, Nachrichten kritisch zu hinterfragen. Das Angebot wird gemeinsam mit dem Landesmedienzentrum BW und dem Pädagogischen Landesinstitut Rheinland-Pfalz durchgeführt.
Wie sind die Schülermedientage im Regierungsbezirk Stuttgart organisiert?
Die Schülermedientage rund um den Tag der Pressefreiheit bieten praxisnahe Einblicke in die Medienwelt. Im Regierungsbezirk Stuttgart organisiert die LpB-Außenstelle Ludwigsburg Workshops in Kooperation mit der Stuttgarter Zeitung, den Stuttgarter Nachrichten und privaten Rundfunkanbietern. Jugendliche ab Klasse 8 arbeiten interaktiv mit Journalist:innen, reflektieren über Recherche und erkennen Merkmale von Qualitätsjournalismus.
Warum ist das Thema Informations- und Nachrichtenkompetenz für die politische Bildung wichtig?
In einer Zeit digitaler Überflutung und wachsender Desinformation ist es entscheidend, dass junge Menschen lernen, Informationen einzuordnen und zwischen Meinung und Fakt zu unterscheiden. Informationskompetenz bildet die Grundlage für demokratische Teilhabe und verantwortungsvolle Meinungsbildung.
Was wünscht sich die LpB für die Zukunft in diesem Bereich?
Das Ziel ist, Nachrichtenkompetenz noch nachhaltiger im Bildungssystem zu verankern. Benötigt werden strukturelle Fördermöglichkeiten, stärkere Vernetzung zwischen Medien und Bildungseinrichtungen sowie niedrigschwellige Angebote – auch für benachteiligte Gruppen.
Welche Pläne gibt es zum weiteren Ausbau?
Der Bedarf an Bildungsangeboten zur Nachrichtenkompetenz wächst. Perspektivisch könnten digitale Tools, Kooperationen im ländlichen Raum und Elternarbeit stärkere Rollen spielen. Eine besondere Rolle spielt die Zusammenarbeit zwischen Journalismus macht Schule, der LFK, der LpBund dem SWR im Rahmen der Schülermedientage. Zusätzlich gewinnt der reflektierte Umgang mit Künstlicher Intelligenz an Bedeutung – etwa in Bezug auf die Erkennbarkeit KI-generierter Inhalte, den Einsatz in der Medienproduktion oder die Bewertung digitaler Quellen. Die politische Bildung greift diese Entwicklungen bereits in Fortbildungen und Workshops auf.