Jochen Fasco, Direktor der Thüringer Landesmedienanstalt, fasst die Angebote in Thüringen hier zusammen:
Welche interessanten Angebote zum Thema Informations- und Nachrichtenkompetenz gibt es in Ihrem Bundesland? Wie steht es um das Thema Medienbildung in Ihrem Bundesland?
Die Förderung der Medienkompetenz ist in Thüringen entlang der Bildungskette fest verankert. Dies betrifft sowohl die frühkindliche und schulische Medienbildung als auch die Bereiche Jugendhilfe, Familien- und Seniorenarbeit. Ein zentraler Aspekt dieses Engagements ist die Förderung der Informations- und Nachrichtenkompetenz. Angesichts der Fülle an Informationen und Nachrichten, die uns täglich über verschiedene Medienkanäle erreichen, ist es unerlässlich, diese kritisch bewerten und einordnen zu können. Durch zahlreiche Medienbildungsmaßnahmen wie beispielsweise die des Thüringer Medienbildungszentrums der TLM, der Thüringer Bürgerradios, der „Die Digitalmacherei“ oder den Projekten faktenforschen.de und funky soll sichergestellt werden, dass die Bürgerinnen und Bürger des Bundeslandes in der Lage sind, informierte Entscheidungen in einer von Digitalisierung geprägten Gesellschaft zu treffen.
Was machen Sie im Rahmen von Journalismus macht Schule in ihrem Bundesland?
In den Jahren 2022 und 2023 haben sich viele Medien und Bildungsinstitutionen in Thüringen unter dem Motto „WIR SIND DAS ORIGINAL!“ zu einem thüringenweiten Bündnis gegen Fake News, Desinformation und Verschwörungstheorien zusammengeschlossen. In der ersten Maiwoche, anlässlich des Internationalen Tages der Pressefreiheit, realisiert das Bündnis seitdem in Kooperation mit der Initiative Journalismus macht Schule zahlreiche Aktionen. Diese Aktionen sind in drei Module gegliedert. Im ersten Modul bieten Schülermedientage, in welchen Journalistinnen und Journalisten Schulklassen besuchen, Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, sich aktiv mit den Arbeitsweisen des Journalismus auseinanderzusetzen. Das zweite Modul vertieft die Förderung der Informations- und Nachrichtenkompetenz im Unterricht, indem Schülerinnen und Schülern anhand tagesaktueller Ausgaben der Lokalzeitungen lernen können, Informationen kritisch zu bewerten. Das dritte Modul besteht aus einem Fortbildungsprogramm, das speziell für Kinder und Jugendliche von Schülerzeitungsredaktionen entwickelt wurde, um ihre journalistischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Vertiefende Informationen sind zu finden unter: https://www.tlm.de/medienbildung/journalismus-macht-schule
Warum ist (Ihnen) das Thema wichtig? Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?
Die Förderung der Informations- und Nachrichtenkompetenz sichert einen Grundpfeiler unseres demokratischen Gefüges, indem sie Bürgerinnen und Bürger gegen Falschinformationen wappnet und eine informierte Teilnahme am demokratischen Prozess ermöglicht. Durch einen reflektierten Umgang mit Medieninhalten können Rezipientinnen und Rezipienten Manipulationsversuche erkennen, sich vielfältig informieren und so zu einem konstruktiven gesellschaftlichen Dialog beitragen. Dies stärkt die Mündigkeit und Selbstbestimmung der Menschen und bewahrt die Meinungsvielfalt, die für eine funktionierende Demokratie essenziell ist. Ich wünsche mir, dass Qualitätsmedien in der Zukunft mehr Vertrauen von der Öffentlichkeit erfahren und dass die Medien ihrerseits dieses entgegengebrachte Vertrauen durch Integrität und verantwortungsvollen Journalismus würdigen.
Welche Pläne gibt es in ihrem Bundesland das Thema Informations- und Nachrichtenkompetenz auszubauen?
In Thüringen gibt es Pläne, ab dem Schuljahr 2024/2025 das Unterrichtsfach „Medienbildung und Informatik“ ab der Klassenstufe 5 einzuführen. Derzeit wird dieses Fach in ausgewählten Pilotschulen getestet. Das Thema Journalismus mit der damit verbundenen Förderung der Informations- und Nachrichtenkompetenz ist ein Inhalt des Unterrichtsfaches.