Kurzinterview mit Miriam Bunjes

Im Kurzinterview erläutert Miriam Bunjes die Situation rund ums Thema Medienkompetenzförderung in Nordrhein-Westfalen, Deutschlands bevölkerungsreichstem Bundesland. Außerdem gibt sie Einblicke in bestehende Angebote und Herausforderungen, derer sich die Medienbildung in NRW stellen muss:

Welche interessanten Angebote zum Thema Informations- und Nachrichtenkompetenz gibt es in Ihrem Bundesland? Wie steht es um das Thema Medienbildung in Ihrem Bundesland?

In Nordrhein-Westfalen gibt es fast 2 Millionen Schüler:innen in mehr als 5.000 Schulen verteilt in fast 500 Städten und Gemeinden. Neben Ruhrgebiet, Köln, Düsseldorf, Münster, Bielefeld haben wir im bevölkerungsreichsten Bundesland neben sehr viel Großstadt auch das platte Land. In NRW spielen sich also alle bildungspolitischen Herausforderungen ab, die man sich ausdenken kann: Armut und soziale Ungleichheit, Integration, der Umgang mit sehr unterschiedlichen bildungspolitischen Experimenten. Personalmangel an Schulen gibt es natürlich auch. Deshalb: Es gibt allein wegen der gemischten Sozialstruktur sehr viel Bedarf an Informations- und Nachrichtenkompetenz in NRW-Schulen – auch, was passgenauen Fortbildungsbedarf für Lehrkräfte angeht. Es gibt aber zum Glück mittlerweile  viel politisches Interesse an dem Thema. NRW hat einen Medienkompetenzrahmen, der für alle Schulen gilt und sie dabei unterstützt, Medienkompetenz fächerübergreifend in den Unterricht einzubringen. Für die Bildungsstandards, die hier gesetzt werden, gibt es Fort- und Weiterbildung, Beratung, Vernetzung und Materialien hier  und hier , für die auch die Expertise von Medienschaffenden gefragt ist. Das Bundesland hat sich definitiv auf den Weg gemacht in Sachen Medienkompetenz. Aber  – das kann nicht unerwähnt bleiben: Der Weg ist gepflastert von Schulen ohne funktionierendes WLAN, Lehrkräften, die noch keine Zeit hatten, sich digitales Wissen anzueignen, geschweige denn es zu installieren oder zu vermitteln. Es ist eben das Land der großen Unterschiede.

Journalismus macht Schule, das sind in NRW die Reporterfabrik von CORRECTIV und der DJV NRW. Wir sind beide Journalistinnen und bringen durch die Organisationen, in denen wir arbeiten, ein Netzwerk an Reporter:innen und journalistische Erfahrung mit –  von Arbeit mit Faktenchecks bis zur Berufsbildung und Medienrecht.

Was machen Sie im Rahmen von Journalismus macht Schule in ihrem Bundesland?

Wir bieten eine monatliche Sprechstunde für Journalist:innen an, geben Fortbildungen für Lehrkräfte, organisieren über das ganze Jahr hinweg Schulbesuche im Bundesland – Wir bilden Journalist:innen in Schwerpunkten weiter, die von Schulen angefragt werden – zum Beispiel zum Umgang mit TikTok oder zur Kriegsberichterstattung. In der Reporterfabrik erstellen wir zudem Video-Tutorials zum Einsatz im Unterricht und laden Schüler:innen zur Mitarbeit in die CORRECTIV-Jugendredaktion ein.

Warum ist (Ihnen) das Thema wichtig? Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

Es ist DIE zentrale Fähigkeit, die unsere Gesellschaft zusammenhält  – oder sie eben entzweit. Nur wer Desinformation erkennen kann, kann etwas gegen sie tun. Und nur wer sich informieren kann, kann bessere Entscheidungen finden und Gesellschaft mitbestimmen. Wir leben heute in einer redaktionellen Gesellschaft, in der alle die Agenda setzen und die Diskurse gestalten. Deshalb wünsche ich mir, dass Schulen sich noch mehr Freiraum für das Thema nehmen können und nicht an ihren eigenen Rahmenbedingungen scheitern.

Welche Pläne gibt es in ihrem Bundesland das Thema Informations- und Nachrichtenkompetenz auszubauen?

Das Thema ist in Arbeit, durch den Medienkompetenzrahmen auch kontinuierlich, was gut ist. Ein großes Problem ist allerdings die Überlastungssituation an vielen Schulen, die dazu führt, dass eben doch nur das Nötigste erledigt werden kann. Dazu sollte Medienkompetenz natürlich gehören –  aber soweit sind wir dann auch noch nicht. Unser JmS-Netzwerk in NRW kann gerade in dieser Phase eine wertvolle Unterstützung bieten – und auch wir wachsen noch.