Kurzinterview mit Prof. Dr. Volker Lilienthal

Prof. Dr. Volker Lilienthal, Geschäftsführer der Gesellschaft für Medienkultur und Qualitätsjournalismus, fasst die Angebote aus Hamburg hier zusammen:

Welche interessanten Angebote zum Thema Informations- und Nachrichtenkompetenz gibt es in Ihrem Bundesland? Wie steht es um das Thema Medienbildung in Ihrem Bundesland?

In Hamburg kümmern sich schon eine Menge Einrichtungen und Aktive um die Medienbildung junger Menschen. Zu nennen ist hier etwas der Bürger:innensender TIDE mit seinen Angebote TIDE.akademie, SchnappFisch, MedienScouts, dem ElternMedienLotsen und den medienpädagogischen Workshops unter dem Titel FAMM. Weiter das Mediennetz Hamburg e. V. und der NDR mit einfach.Medien. Die Schulbehörde des Landes fördert digitale Medienprojekte jedes Jahr mit 300.000 Euro. Auch das Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI) ist hier engagiert. Der Jugendmedienschutz und in diesem Sinne auch die Förderung der Medienkompetenz ist eine gesetzliche Aufgabe der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein.

Was machen Sie im Rahmen von Journalismus macht Schule in Ihrem Bundesland?

Seit 2021 vermitteln wir regelmäßig Schulbesuche von Journalist:innen. Diese stellen sich bei ihren Klassenbesuchen den Fragen der Schüler:innen und bringen auch eigenen Input mit, z. B. wie eine sorgfältige Recherche abläuft und wie man Fake News erkennen und sich dagegen schützen kann. Die Vermittlung beginnt immer mit der Anfrage einer Lehrkraft: Haben Sie jemanden für uns? Am besten, man sagt uns, in welches Fach oder Unterrichtsfach das passen soll, welches Thema besprochen wird. Dann kümmern wir uns um das Matching, als um die Suche nach einer Journalistin, einem Journalisten, welcher ideal zu dem schulischen Anliegen passt.

Dieses Angebot, das von vier Stiftungen möglich gemacht wird, machen wir das ganze Jahr über. Aber wir engagieren uns natürlich ganz besonders zum Tag der Pressefreiheit am 3. Mai. Im Jahr 2023 haben wir in Hamburg ein Bildungs-Event angeboten, an dem rund 200 Schüler:innen teilnahmen. Der Claim des Tages: „Clever recherchieren: Wir lassen uns nicht manipulieren!“ Ab dem 3. Mai und dann bis zu den Sommerferien kooperieren wir übrigens auch mit dem Landesbeauftragten für politische Bildung in Schleswig-Holstein. Auch für dieses Bundesland gilt unser Angebot.

Warum ist (Ihnen) das Thema wichtig? Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?

Medien sind etwas Wunderbares. Sie bereichern unser Leben, helfen bei der lebensweltlichen Orientierung, sie unterhalten uns und informieren uns über all das, was für in Politik und Gesellschaft nicht auf Anhieb verstehen. Ein Leben in der Moderne ist ohne Medien nicht vorstellbar. Die Demokratie braucht gute Medien. Aber das Angebot ist eben auch so ungeheuer komplex, dass wir alle uns in diesem Dschungel erst mal zurechtfinden müssen. Auch, um gefährliche und dunkle Ecken zu meiden. Dafür braucht es Medienkompetenz. Zu deren Entwicklung wollen wir einen kleinen Beitrag leisten.

Für die Zukunft wünsche ich mir, dass Medienkompetenz ein eigenständiges Schulfach wird. Das ist es nämlich auch in Hamburg derzeit noch nicht. Sondern eine Querschnittsaufgabe in all den anderen Fächern, die aber oft zeitlich einfach zu kurz kommt oder gar stiefmütterlich behandelt wird. Medien prägen unser Leben, sie bestimmen unsere Weltwahrnehmung, und leider gibt es neben den seriösen Medienangebote auch viele schädliche. Mit beidem gut umgehen zu können ist wichtig für die Alltagskompetenz und ganz besonders die politische Meinungsbildung junger Menschen.