Sandra Bischoff, Leiterin der Stabsstelle Medienbildung, Medienwirtschaft und Öffentlichkeitsarbeit der Medienanstalt Hessen.
Welche interessanten Angebote zum Thema Informations- und Nachrichtenkompetenz gibt es in Ihrem Bundesland? Wie steht es um das Thema Medienbildung in Ihrem Bundesland?
Das Thema Medienbildung besitzt in Hessen einen hohen Stellenwert und wird daher von verschiedenen Institutionen und Akteuren mit unterschiedlichen Schwerpunkten bearbeitet. Die Medienanstalt Hessen engagiert sich bereits seit vielen Jahren in diesem Bereich und bietet eine Vielzahl von Programmen an, die vor allem Kindern und Jugendlichen einen sicheren, kritischen und selbstbestimmten Umgang mit digitalen Medien ermöglichen sollen.
Das zweitägige Medienprojekt „News Caching – Zwischen Fakten, Fakes und Filterblasen“ vermittelt Schüler:innen wichtige Kompetenzen in der Auseinandersetzung mit (Online-) Nachrichten sowie Wissen über Medienphänomene wie Fake News, Clickbait oder KI-Manipulationen. Da die Teilnehmenden im Rahmen des Angebots einen kompletten Redaktionsprozess selbst durchlaufen, lernen sie u.a. Quellen und Informationen auf Glaubwürdigkeit zu prüfen sowie eine verantwortungsvolle und reflektierte Mediennutzung.
Zusätzlich bietet die Medienanstalt Hessen weitere medienpädagogische Programme an, die sich mit spezifischen Aspekten der Informations- und Nachrichtenkompetenz beschäftigen: Dazu zählen die Schulprojekte „Clever digital! – Veränderung der Kommunikationskultur durch Social Media“ und „Politics for future“.
Kostenfreie Online-Fortbildungen für Lehrkräfte, Qualifizierungsangebote für sozialpädagogische Fachkräfte und Mitarbeitende in Wohngruppen der Kinder- und Jugendhilfe sowie die Fachtagungsreihe Medienbildung politisch und digital (mepodi) sollen darüber hinaus sicherstellen, dass Multiplikatoren in ihren Einrichtungen junge Menschen bei Fragen rund um die Medienwelt kompetent begleiten können. Ergänzend stehen ihnen hierfür umfangreiche Materialien und praktische Umsetzungstipps auf den Internet-Plattformen „Schule des Hörens und Sehens“ und „Ran an Maus und Tablet“ der Medienanstalt Hessen zur Verfügung.
Was machen Sie im Rahmen von Journalismus macht Schule in ihrem Bundesland?
Die Medienanstalt Hessen arbeitet bereits seit mehreren Jahren eng mit Journalismus macht Schule zusammen und fungiert als zentraler Ansprechpartner für Vorhaben in Hessen. Um die Arbeit des Vereins zu unterstützen, ist ihm die Medienanstalt Hessen inzwischen als förderndes Mitglied beigetreten.
Die Aktionstage #SchuleFürPressefreiheit, die bereits zum fünften Mal in Hessen anlässlich des Internationalen Tags der Pressefreiheit durchgeführt werden, basieren auf der bundesweiten Initiative von Journalismus macht Schule. Im Rahmen einer Kooperation von mehreren Medienhäusern wird Schüler:innen ab der achten Jahrgangsstufe ein abwechslungsreiches Workshop-Angebot rund um die Themen „Presse- und Meinungsfreiheit”, „Film- und Bildmanipulation” oder „Fake News” geboten. Journalismus macht Schule bereichert das Programm der Aktionstage durch interessante Werkstattgespräche von prominenten Journalist:innen mit Schulklassen.
Warum ist (Ihnen) das Thema wichtig? Was würden Sie sich für die Zukunft wünschen?
Nachrichtenkompetenz ist von einer zentralen Bedeutung, weil nur eine gut informierte Gesellschaft die Grundlage für eine gesunde Demokratie bilden kann. In einer Zeit, in der Informationen und Desinformationen nahezu ungehindert verbreitet werden können, ist es für jede und jeden wichtig zu wissen, wie man die Qualität und Glaubwürdigkeit von Nachrichten einschätzt und wie man zwischen verlässlichen Informationen und Fehlinformationen unterscheidet. Gerade junge Menschen wachsen heute mit sozialen Medien auf, die einerseits den Zugang zu Informationen erleichtern, andererseits aber auch die Gefahr von Manipulation und Verzerrung mit sich bringen. Die Medienanstalt Hessen sieht es als ihre Verantwortung an, Menschen dabei zu unterstützen, selbstständig, reflektiert und kritisch mit Nachrichten umzugehen. Nur so können sie fundierte Entscheidungen treffen und aktiv an gesellschaftlichen Prozessen teilnehmen.
Dafür wäre es wünschenswert, den Medienkompetenz-Erwerb als festen Bestandteil in die Bildungskonzepte für alle Altersstufen aufzunehmen und die dafür nötigen Ressourcen bereitzustellen, damit alle Menschen in Deutschland Zugang zu diesen wichtigen Fähigkeiten erhalten können.
Welche Pläne gibt es in ihrem Bundesland das Thema Informations- und Nachrichtenkompetenz auszubauen?
Die Medienanstalt Hessen arbeitet kontinuierlich daran, ihre medienpädagogischen Angebote einer noch größeren Anzahl von Menschen in Hessen zugänglich zu machen. Aufgrund einer Gesetzesanpassung ist sie seit rund zwei Jahren nicht mehr nur im Sinne eines präventiven Jugendmedienschutzes tätig, sondern entwickelt im Rahmen ihres neuen gesetzlichen Auftrags Medienbildungsangebote für alle Zielgruppen. Um dabei eine noch größere Wirkung zu erzielen und nachhaltige Veränderungen in der Medienbildung in Hessen voranzutreiben, arbeitet die hessische Landesmedienanstalt verstärkt mit Kooperationspartnern aus Ministerien, Institutionen, Wirtschaft sowie der politischen und der Medienbildung zusammen. So konnten bereits die bestehenden Angebote zur Elternberatung gezielt ausgebaut werden.
Weitere Impulse verspricht der nahezu abgeschlossene Transformationsprozess der Medienprojektzentren Offener Kanal hin zu eigenständigen Medienbildungszentren, die künftig landesweit eine intensivere und vielfältigere Medienbildung ermöglichen werden.