Lie Detectors im Spotlight

Mit dem „Spotlight“ stellen wir alle zwei Monate bewusst eines unserer Mitglieder vor. Wir geben Einblick in ihre Arbeit und ihre Motivation, weil sie als Mitglied ein wichtiger Teil unseres Netzwerks sind.

Dazu Juliane von Reppert-Bismarck, Gründerin und Geschäftsführerin von Lie Detectors:

Wer ist Lie Detectors und was macht ihr genau?

Lie Detectors ist Europas führende unabhängige Fachorganisation für Nachrichtenkompetenz. Unser Ansatz ist direkt und praxisnah: Wir bringen aktive, professionelle Journalistinnen und Journalisten direkt in die Klassenzimmer und in die Lehrkräftefortbildung. Mit einem festen, pädagogisch erprobten Konzept zeigen wir Kindern und Jugendlichen im Alter von 10 bis 15 Jahren, wie sie Desinformation erkennen, polarisierenden Algorithmen widerstehen und neugierig bleiben. Parallel dazu schulen wir Lehrkräfte in ihrer Vermittlungsrolle und evaluieren unsere Arbeit kontinuierlich. Zudem arbeiten wir mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an der Erstellung pädagogischer Wirkungsstandards und in beratender Funktion auf EU-Ebene zu Digitalkompetenzvermittlung und Deradikalisierung.

Mit Hauptsitz in Brüssel sind wir in sieben EU-Mitgliedstaaten in unterschiedlichen Sprachen aktiv. Allein in Deutschland arbeiten wir mit einem Netzwerk aus mehr als 300 geschulten Journalistinnen und Journalisten zusammen, das sich aus Medienkooperationen (darunter ZDF, MDR, SR) und freien Medienschaffenden zusammensetzt. Mit unserem auf Skalierbarkeit ausgerichteten Konzept sind wir in 15 Bundesländern im Einsatz und liefern ganzjährig mehr als 700 Unterrichts- und Fortbildungseinheiten. Diese bringen wir in Partnerschaften, wie z.B. mit „Journalismus macht Schule“, ein. Da wir stiftungs- und EU-finanziert sind, garantieren wir die absolute Unabhängigkeit unserer Arbeit und der Arbeit, die wir durch Partnerschaften fördern.

Wieso ist euch das Thema Digital- und Nachrichtenkompetenz so wichtig?

Weil fundierte Nachrichtenkompetenz kein nettes Extra ist, sondern ein demokratisches Grundrecht. Junge Menschen verbringen einen großen Teil ihres Alltags auf digitalen Plattformen, wo sie ungefiltert mit Falschmeldungen, personalisierten Algorithmen und gezielter Meinungsmache konfrontiert werden. Wer nicht gelernt hat, Informationen kritisch zu hinterfragen, wird anfällig für Manipulation. Das gefährdet das Fundament unserer offenen Gesellschaft.

Unser Ziel ist es deshalb, Medien- und Nachrichtenkompetenz als festes Bildungsrecht direkt neben Lesen, Schreiben und Rechnen zu etablieren – ganz im Sinne der UNESCO- und OECD-Standards. Echte Aufklärung muss auch die wirtschaftlichen Mechanismen und Algorithmen hinter Big Tech transparent machen.

Jeder Schulbesuch und jede kritische Nachfrage im Klassenzimmer stärkt die Resilienz der nächsten Generation und sichert eine informierte, demokratische Gesellschaft ab. Dies ist für den Moment genauso wichtig wie für die langfristige Demokratiebildung. Wir sehen Journalistinnen und Journalisten als unverzichtbare Vermittler von Nachrichtenkompetenzen zu einer Zeit, wo Lehrende ihr Wissen in diesem Bereich oft noch ausbauen.

Für was steht Lie Detectors? Welche Werte sind euch wichtig und wie zeigt sich das in eurer Arbeit?

Lie Detectors steht für absolute Unabhängigkeit, journalistische Glaubwürdigkeit und Einsatz dort, wo es am nötigsten ist. Unsere wichtigsten Werte sind Offenheit und radikale Sachlichkeit. Wir nehmen kein Geld von Online-Plattformen oder Tech-Giganten an, eine strikte Regel, die die Basis für das riesige Vertrauen ist, das wir in den Schulen genießen. 77 Prozent der von uns befragten Lehrkräfte geben an, dass sie gerade wegen dieser Unabhängigkeit mit uns zusammenarbeiten. Nur so können wir im Unterricht auch die kritischen Seiten von Social Media-Geschäftsmodellen unbefangen ansprechen.

Außerdem ist es uns wichtig, dass wir auf das persönliche Gespräch vom Profi zu Schülerinnen und Schülern auf Augenhöhe setzen, statt auf anonyme digitale Lernmodule. Gleichzeitig investieren wir stark in Qualität: Wir arbeiten nicht nach Bauchgefühl, sondern evaluieren jede Unterrichtseinheit wissenschaftlich. Für uns zählen nicht nur Klickzahlen oder schnelle Reichweite, sondern die nachweisbare, nachhaltige Wirkung im Klassenzimmer.

Welche Angebote für Schulen bietet Lie Detectors jetzt schon im Themengebiet der Nachrichtenkompetenz an?

Wir bieten in Schulen und mit Seminaren für Lehrkräfte ein bewährtes und sofort einsatzbereites Gesamtpaket.

Das sind zum einen unsere kostenfreien Klassenbesuche: Professionelle Journalistinnen und Journalisten kommen für eine interaktive Doppelstunde direkt in die Klassen, vor allem in den Stufen 5, 6, 8 und 9 aller Schulformen. Das tun wir auch online, damit wir auch schwer erreichbare Regionen erreichen. So vermitteln wir spielerisch und praxisnah Werkzeuge zur Faktenprüfung, Quellenevaluation und zur digitalen Bilderrückwärtssuche. Außerdem sprechen wir mit den Kindern und Jugendlichen über die Bedeutung des Journalismus und sehr offen auch darüber, wie journalistische Fehler trotz aller Sorgfaltspflicht passieren können.

Zusätzlich schulen wir Lehrkräfte, um sie langfristig in ihrer Vermittlungsrolle zu stärken. Die Resonanz ist enorm: Vier von fünf der durch uns geschulten Lehrkräfte geben an, das Gelernte direkt im eigenen Unterricht umsetzen zu wollen. Dafür stellen wir auch umfangreiche, erprobte Lehrmaterialien bereit.

Was möchtet ihr gemeinsam mit JmS in Bewegung bringen?

Mit Partnern wie „Journalismus macht Schule“ steuern wir in Deutschland den bundesweiten, flächendeckenden Rollout an. Als Gründungsmitglied von „Journalismus macht Schule“ engagieren wir uns aktiv im Vorstand und sind der operative Motor des Netzwerks. Im Jahr 2025 haben wir rund 40 % aller Schulbesuche im gesamten Netzwerk durchgeführt – Bayern ausgenommen. Gemeinsam wollen wir der Politik und den Medienhäusern zeigen, wie eine nachhaltige Verankerung von Nachrichtenkompetenz aussieht.

Welche Pläne oder Visionen habt ihr, um Nachrichtenkompetenz bei jungen Menschen weiter zu stärken?

Unsere Vision ist eine heranwachsende Generation, die sich selbstbewusst, kritisch und sicher in der digitalen Informationswelt bewegt und sich für ihre digitalen Rechte ausspricht. Um das zu erreichen, planen wir in Deutschland eine Ausweitung unseres Bildungsangebots und unserer Zusammenarbeit mit Multiplikatoren und Entscheidungsträgern.

Dank neuer Förderungen werden wir europaweit bis 2031 gezielt in Regionen expandieren, in denen der Unterstützungsbedarf besonders hoch und die Arbeit teils herausfordernder ist, wie in mittel- und osteuropäischen Ländern, in ländlichen Regionen oder den ostdeutschen Bundesländern. Ein Meilenstein unserer Zukunftspläne ist zudem die Etablierung einheitlicher wissenschaftlicher Wirkungsstandards. Wir wollen die Wirksamkeitsforschung im Bildungsbereich agil skalieren, damit Steuergelder und Spenden nachweisbar dort ankommen, wo sie den größten Nutzen stiften. Kurz: Wir wollen Nachrichtenkompetenz europaweit flächendeckend Realität werden lassen.

Unser praxisnahes Handbuch für Lehrkräfte


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