Mit dem „Spotlight“ stellen wir alle zwei Monate bewusst eines unserer Mitglieder vor. Wir geben Einblick in ihre Arbeit und ihre Motivation, weil sie als Mitglied ein wichtiger Teil unseres Netzwerks sind.
Dazu Judith Kunz, Referentin für Medienkompetenz bei der mabb:
Wer ist die mabb und was macht ihr genau?
Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (mabb) ist die gemeinsame Medienanstalt der Länder Berlin und Brandenburg. Im Zusammenspiel relevanter Regulierung und nachhaltiger Förderung setzt sie sich für die Sicherung der Medienvielfalt ein. Dabei unterstützt die mabb Lokaljournalismus, engagiert sich gegen Desinformation und stärkt die Informations- und Nachrichtenkompetenz von Nutzer:innen aller Generationen – für den selbstbestimmten, kritischen Umgang mit Medien und einen fairen demokratischen Diskurs. Mit ihren Einrichtungen ALEX Berlin und dem Medieninnovationszentrum Babelsberg (MIZ) ermöglicht die mabb Partizipation, schafft Aus- und Weiterbildungsangebote und fördert Innovationen für Medien in der Region.
Wieso ist euch das Thema Informations- und Nachrichtenkompetenz so wichtig?
Die Förderung von Informations- und Nachrichtenkompetenz liegt uns nicht nur am Herzen – sie ist auch unsere gesetzliche Aufgabe gemäß Privatmedienstaatsvertrag Berlin-Brandenburg (PMStV). Das bedeutet: Wir machen Angebote für die Menschen hier aus der Region und unterstützen sie dabei, Informationen einzuordnen, Medien und Nachrichten zu beurteilen und Fakten von Falschinformationen zu unterscheiden.
Welche Werte sind euch wichtig und wie zeigt sich das in eurer Arbeit?
Medienvielfalt stärken und Meinungsfreiheit sichern – das ist der Kern unserer täglichen Arbeit. Wir sind davon überzeugt, dass ein demokratisches Miteinander nur mit diesen Grundpfeilern funktionieren kann. Dabei handeln wir stets staatsfern und nach dem gesetzlichen Auftrag, z. B. beim Schutz von jungen Menschen im Internet, der Zulassung von Rundfunkprogrammen oder bei der Einhaltung der journalistischen Sorgfaltspflichten. Im Förderbereich liegt unser Fokus verstärkt darauf, lokale Medienangebote nachhaltig zu sichern und die Menschen in Berlin und Brandenburg zu befähigen, sich kompetent in der digitalen Welt zurechtzufinden.
Viele Menschen beziehen ihre Informationen heute über unterschiedliche Nachrichtenquellen, u.a. auf Social Media. Dabei stehen kuratierte Angebote oft gleichberechtigt neben Meinungsbeiträgen oder puren Behauptungen. Auch der Zugang zu technischen Tools – bspw. zum Fälschen von Texten, Tonaufnahmen, Bildern und Videos – wird immer niedrigschwelliger. Je schwieriger es wird, valide Informationen von Falschnachrichten zu unterscheiden, desto wichtiger ist die Fähigkeit, verlässliche Quellen zu identifizieren und Informationen kritisch zu hinterfragen. Das ist natürlich auch für die politische Meinungsbildung unabdingbar, bspw. im Vorfeld von Wahlen wie sie diesen Herbst in Berlin anstehen. Informations- und Nachrichtenkompetenz ist die Voraussetzung für eine faktenbasierte Meinungsbildung – und damit die Grundlage für eine informierte demokratische Beteiligung. Die Vermittlung dieser Kompetenzen ist deshalb eine unglaublich wichtige Aufgabe, zu der wir hier in der Region einen entscheidenden Beitrag leisten.
Welche Angebote für Schulen bietet die mabb jetzt schon im Themengebiet der Nachrichtenkompetenz an?
Neben den ca. 90minütigen JmS-Schulbesuchen bieten wir eine Reihe von ganztägigen Schulworkshops an: zum Thema Journalismus, zu Meinungsfreiheit, zu Verschwörungsmythen oder zur Radikalisierungsprävention. Darüber hinaus finanzieren wir auch Elternabende zu Medienthemen und bieten zahlreiche Materialien an, etwa Lehr- und Lernmaterialien rund um unser Onlinequiz, den Newstest. Alle Angebote sind für Schulen aus Berlin und Brandenburg kostenlos und können über unser Portal www.jewusst-wie.de gebucht werden.
Was möchtet ihr gemeinsam mit JmS in Bewegung bringen?
Die mabb engagiert sich seit 2019 als Gründungsmitglied bei „Journalismus macht Schule“; seit der Vereinsgründung 2022 auch im erweiterten Vorstand. mabb-Direktorin Dr. Eva Flecken ist Mitglied im Kuratorium und seit Mitte diesen Jahres ist die JmS-Geschäftsstelle im Medieninnovationszentrum in Babelsberg angesiedelt.
Darüber hinaus beteiligen wir uns seit sechs Jahren an der Aktion zum Tag der Pressefreiheit mit einer Live-TV-Sendung, bei der prominente Journalist:innen vor laufender Kamera mit Schüler:innen ins Gespräch kommen. In der Vergangenheit waren bspw. Marietta Slomka oder Louis Klamroth bei uns zu Gast.
Und nicht zuletzt koordinieren wir über das ganze Jahr hinweg die JmS-Schulbesuche von Journalist:innen in Berlin und Brandenburg. Dabei haben wir 2025 insgesamt 62 Schulbesuche vermittelt und ca. 1400 Schüler:innen erreicht. 86 % der Schüler:innen haben die Gespräche im letzten Schuljahr als gut oder sehr gut bewertet; einen praktischen Einblick gibt dieses
Welche Pläne oder Visionen habt ihr, um Nachrichtenkompetenz bei jungen Menschen weiter zu stärken?
An den Schulen ist das Thema aktuell weder in Berlin noch in Brandenburg ein eigenes Schulfach, soll aber gemäß der KMK-Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ als fächerübergreifende Querschnittskompetenz vermittelt werden. Mit unseren Projekten unterstützen wir Schulen dabei, Informations- und Nachrichtenkompetenz im Unterricht zu fördern. Um die unterschiedlichen Bedarfe abzuholen, möchten wir in Zukunft noch niedrigschwelligere Angebote machen, etwa in Einfacher Sprache. Da die Mediennutzung immer früher einsetzt, wollen wir auch unsere Projekte an Grundschulen ausbauen. Und das Thema Nachrichtenkompetenz bringt es natürlich mit sich, dass wir kontinuierlich unsere bestehenden Projekte evaluieren und bei der Weiterentwicklung neue Themen und Entwicklungen berücksichtigen.
